Im vorherigen Beitrag der Japan Reihe ging es um die traumhafte Natur Japans
Der Camper für Japan
Alle nun folgenden Informationen basieren auf unser eigenen Erfahrung mit einem Mietwagen von Japan Campers. Wir haben weder eine Ko-Operation mit Japan Campers noch einen finanziellen Vorteil durch eine Empfehlung. Vielmehr entstand dieser Beitrag ohne Wissen von Japan Campers. Sämtliche Inhalte spiegeln unsere eigene, ehrliche Meinung wider.
Modelle
Die Straßen in Japan sind eng. Europäische Modelle stoßen hier schnell an ihre Grenzen, und amerikanische oder australische Wohnmobile würden den Verkehr dank ihrer Größe schnell zum Erliegen bringen. Die kleinen japanischen Modelle erinnern eher an kleine Transporter (Renault Kangoo), die mittlere Größe an so etwas wie die VW Busse und die großen an ein Wohnmobil, das in der Waschmaschine zu heiß gewaschen wurde.
Um sich einen Überblick zu verschaffen, ist es am einfachsten per Link direkt auf die entsprechende Kategorie bei Japan Campers zu gelangen.
Welches Modell du dir am Ende aussuchst, musst du persönlich vom eigenen Platzbedarf abhängig machen, von der Frage nach einer eigenen Toilette an Bord, von der Möglichkeit auch drinnen zu kochen und natürlich von deinem Budget. Uns sind auf der Reise Touristen begegnet, die zu zweit in dem gleichen Camper unterwegs waren, den wir zu fünft bewohnt haben.
Preise / Rabattmöglichkeit
Wie bei vielen anderen Unternehmen auch gibt es die Chance verbesserte Konditionen zu bekommen. Dazu zählen im Einzelnen:
Frühbucher – Bist du der Typ Frühbucher, kommt dir Japan Campers im Preis entgegen. Bei uns Schlaftabletten traf das natürlich nicht zu.
Long Term – Der durchschnittliche Urlauber bleibt zwischen 10-20 Tagen. Wir haben den Camper für 30 Tage gebucht und einen Rabatt bekommen für den Long Term. Immerhin 25 % auf den Tagespreis!
Wiederholungstäter – Hat dich Japan so sehr begeistert, dass du zum Wiederholten Mal bei Japan Campers buchst, dann gewährt man dir einen „Returning Customer“ Rabatt.
Wir haben gelernt immer zu fragen. Vielleicht erwischst du eine Phase in der Nebensaison mit schwacher Auslastung. In solchen Phasen soll es ja bekanntlich immer noch Raum für Verhandlungen geben. Behalte bitte bei allem finanziellen Ehrgeiz in Erinnerung, dass die Kombination aus Mobilität und Unterkunft mittels eines Campers bereits zu den günstigsten Optionen in Japan zählt.

Versicherung und Kaution
Es gibt zwei Sicherheiten, die hinterlegt werden müssen.
Eine Kaution für die Versicherung (100.000Yen = ca. 770,- Euro) (Stand 2017)
Eine Kaution für vielleicht anfallende Verkehrsvergehen. Praktischerweise wird die Anzahlung für die Anmietung des Fahrzeugs, quasi deine verbindliche Bestätigung der Buchung, als Kaution verwendet. Bei der Abholung des Wagens zahlst du trotz der Anzahlung 100% der Summe des Mietvertrages. Hast du dir in Japan nichts zu Schulden kommen lassen und bei Japan Campers gehen innerhalb von 30 Tagen nach deiner Rückgabe keine „bösen“ Schreiben von der Polizei ein, bekommst du deine Kaution/Anzahlung via PayPal zurück.
Die Basic Insurance kommt im Falle eines Unfalls für den Schaden auf. Eine Selbstbeteiligung in Höhe von 100.000 Yen wird aber in jedem Fall fällig, daher die Kaution i.H.v. 100.000Yen. Um es den Mietern einfach zu machen, kann man die Kaution auch in Fremdwährungen hinterlegen. Ein Umtauschen in Yen ist nicht nötig. Wir haben einen Mix aus US Dollar und Euro Banknoten als Kaution hinterlegt. Alles wird professionell notiert und verwahrt. Mach dir keine Gedanken, um diesen Teil. Er ist nun einmal Teil des Ganzen und notwendig für die Absicherung. Immerhin fährst du in einem fremden Land mit einem Camper durch den Verkehr. Und es ist Linksverkehr.
Wer mag, kann auch das Versicherungspaket gegen Aufpreis erweitern. Dabei handelt es sich im Prinzip um das gleiche Modell wie bei allen anderen Autovermietungen weltweit: Weniger finanzielles Risiko wird bezahlt mit einer höheren Prämie. Entscheide am besten selber, womit du dich wohlfühlst.
Führerschein - Übersetzung ins japanische notwendig
Kommen wir zu einem witzigen (dennoch teuren)bürokratischen Aspekt der Vorbereitung. Wir sind mit einem internationalen Führerschein aus Deutschland los gereist, mussten aber lernen, dass dieser in Japan nicht so anerkannt wird.
Grundsätzlich werden die Führerscheine international anerkannt, wenn sie der richtigen gesetzlichen Übereinkunft entsprechen (Genfer Konvention von 1949). Genau da liegt die Crux – nach der Übereinkunft mit Japan aus 1949 gab es eine weitere internationale Übereinkunft (Wiener Konvention von 1968), der Japan aber wiederrum nicht angehört.
Deutschland ist noch Partner der älteren Übereinkunft, stellt aber (mehr oder weniger logischerweise) nur den internationalen Führerschein nach der neueren Übereinkunft aus. Das akzeptieren aber die Japaner nicht, denn es ist ja nicht die aus 1949. Verstehe es, wer will.
Abhilfe schafft nur eine Übersetzung deines Führerscheins ins Japanische. Diese bekommst du bei der deutschen Botschaft in Tokio. Es kostet ca. 35 Euro. Dafür musst du nach Tokio fahren und alles selber regeln.
Japan Campers bietet diesen Service auch an. Dann kostet es allerdings 7.000 Yen (= 54 Euro). Ohne dieses Dokument kommst du nicht vom Hof und wer wenig Zeit für die Ferien hat, möchte ungern noch morgens vor der Camper- Abreise mit der U-Bahn nach Tokior einfahren. Das kostet Geld und Nerven.
Aber plane es in dein Gesamtbudget ein. Bei zwei Fahrern sind das 108,-Euro extra. Ein Vorder- und Rückseiten-Scan deines Führerscheins reicht vollkommen aus. Alles läuft reibungslos.

Zustand der Camper
Während europäische Autovermietungen Autos nach einer gewissen Laufleistung oder Erreichen eines Alters austauschen, läuft das im Camper- Geschäft in Japan genau andersrum. Ausgebaut werden überwiegend ältere Modelle. Unser Ford Bus war aus den 80er Jahren und der restliche Fuhrpark ist aus ähnlichen „Geburtsjahren“.
Ford und Mazda haben in der Vergangenheit eine Kooperation im japanischen Markt beschlossen. Die meisten Mid-Size Camper sind Mazda Bongo oder Ford Modelle. Äußerlich und von innen genau baugleiche Autos. Einige Nissan Busse bilden die Ausnahme und sind etwas jünger.
Die Miniature-Size-Camper sind jüngeren Ursprungs (90er Jahre)und oftmals von Subaru oder Daihatsu.
Die großen Motorhomes waren auch alle jünger als die alten Mid Size Camper. Wir durften die erste Nacht nach der Ankunft in so einem großen Camper schlafen, weil das Guesthouse besetzt war und unsere Ankunftszeit des Fluges nicht anders zuließ.
Während die Mid Size Camper allesamt von außen verbeult sind und Rost aufweisen, sind die kleinen und ganz großen in einem viel besseren Zustand. Als Familie mit drei Kindern haben wir uns in einem Camper mit einigen Gebrauchsspuren wohler gefühlt.
Wir wissen nur zu gut, was unsere Rasselbande alles testet in 30 Tagen.Und so konnten wir unbekümmert reisen und mussten nicht immerzu meckern und maßregeln, wenn die Kinder mal die Füße bei längeren Fahrten auf die Sitzbank gelegt haben.
Mit Kilometerbegrenzung oder ohne?
Im Vertrag sind 100km Tagespauschale vereinbart. Jeder zusätzliche Kilometer muss bezahlt werden. (10 Yen/km = 0,08 Euro/km)
Gegen einen Aufpreis i.H.v 1.500Yen = 11,53 Euro pro Tag! kannst du dir unendliche Kilometer erkaufen und erhältst noch das Versicherungs- Zusatzpaket. Umgekehrt bedeutet dies: Fährst du mehr als 250km pro Tag, lohnt sich das Paket, andernfalls fährst du besser mit dem extra Abrechnen der Zusatz-Kilometer.
Deine Reiseziele und die Route dorthin bestimmen ganz klar, wie viele Kilometer du benötigst. Geht es nach Sapporo in den Norden oder vielleicht in den Süden brauchst du mehr als für eine kleine Rundreise zwischen Nikko, Nagano, Kyoto und Mount Fuji. Bedenke bitte auch, dass die mautfreien Landstraßen selten mehr als 60km/h erlauben.Wer da am Tag 250km fahren will, muss schon einige Stunden hinter dem Lenkrad verbringen. Ein wenig Urlaub soll es ja auch noch bitte werden.
Die Ausstattung des Campers
Beim Ausbau der Camper hat jemand seinen Verstand benutzt. Die Jungs von Japan Campers wissen, was sie tun. Alles hat hier Hand und Fuß. Von der Navigation per iPad (Google Maps),dem eingebauten Kühlschrank, dem Trafo für Strom bis hin zum Küchen- und Bettzeug ist alles vorhanden.
Hier eine kleine Übersicht.
Fahrerkabine
· iPad
· iPad Halterung
· zwei Ladekabel fürs iPad
· Ladestecker für den Zigarettenanzünder
· Moskitonetze für Fahrer- und Beifahrerfenster
Essen / Kochen
· Gaskocher (eine Flamme)
· 1x Kochtopf
· 1x Pfanne
· 1x Wasserkocher
· 1x Schneidebrett
· je Person 1x Teller, Becher, Messer, Gabel, Esslöffel und Teelöffel
· Bratwender, Flaschenöffner, Feuerzeug, Kochlöffel
· Waschschüssel, Schwamm,Spülmittel
Alles ist praktisch in einer Plastik-Verstau-Kiste eingepackt und lässt sich im Heck des Campers unter der Liegefläche verstauen.
Sitzen
· 1x klappbarer Stuhl pro Person
· 1x Tisch (der ist echt miniklein)
Schlafen
· 1x Schlafsack pro Person
· 1x Kissen pro Person
· 1 Bettlaken für die obere Schlafgelegenheit
· 1 Bettlaken für die untere Schlafgelegenheit
· 1x elektrischer „Tennisschläger“ gegen die lästigen Mücken
· 2x LED Taschenlampen
· 2x LED Nachttischlampen
Uns hat in den 30 Tagen nichts gefehlt. Alles war stets einfach zugänglich. Alles hat System und wurde gut durchdacht.
Strom im Camper
Eine 12 Volt Batterie versorgt den Camper- wie jedes andere Auto auch - mit Strom. Um dem zusätzlichen Strombedarf durch den Campingbetrieb gerecht zu werden, wurde eine zusätzliche 12 Volt Batterie eingebaut. Sie lädt während der Fahrt und reicht in der Regel, um den Kühlschrank im Stand 15- 20 Stunden mit Strom zu versorgen.
Benötigst du noch die Standheizung, dann reduzieren sich die 15-20 Stunden entsprechend. Praktisch bedeutet das, dass du jeden Tag den Camper bewegen musst, wenn du den Kühlschrank kühl halten musst. Eine kleine Digitalanzeige informiert dich jederzeit über den Ladezustand. Bevor der Kühlschrank ausgeht, wirst du mit akustischen Signalen gewarnt.
Wir haben den Motorfür 20 Minuten im Standlaufen lassen, dann hatten wir wieder ausreichend Spannung. Das ist zugegeben nicht optimal für die Umwelt, aber dennoch gängige Praxis bei den Japanern.
Im nächsten Beitrag liest du alles über das Fahren in Japan -Linksverkehr / Geschwindigkeitsbegrenzungen und Besodnerheiten
